Die drei größten italienischen Immobilienmakler-Verbände FIMAA, FIAIP und ANAMA haben beim Ministerium für Unternehmen und Made in Italy (MIMIT) einen wichtigen Etappensieg erzielt. Die sogenannte Consulta Interassociativa Nazionale dell'Intermediazione Immobiliare traf im März mit Staatssekretärin Mara Bizzotto zusammen. Ergebnis: Das Ministerium signalisiert Offenheit für die Einführung eines geregelten Praktikantenwesens und eine Reform des seit 1989 weitgehend unveränderten Maklergesetzes (Legge 39/89).
Die Lobby-Initiative zielt darauf ab, den Berufszugang über ein strukturiertes Ausbildungssystem zu regeln – ähnlich wie bei Steuerberatern oder Architekten. Bisher fehlt in Italien eine verpflichtende Praxisphase für angehende Immobilienvermittler. Die Verbände argumentieren, dass das bestehende Gesetz den Anforderungen moderner Märkte nicht mehr gerecht wird. Sie fordern höhere Einstiegshürden, klare Qualitätsstandards und eine bessere Abgrenzung zu unregulierten Anbietern.
Die Stoßrichtung ist klar: Durch strengere Regeln sollen etablierte Marktteilnehmer geschützt und die Maklercourtage legitimiert werden. Kritiker sehen darin einen Versuch, Marktanteile abzusichern und PropTech-Wettbewerber zu benachteiligen. Tatsächlich hat sich in Italien die Landschaft der Immobilienvermittlung in den letzten Jahren stark verändert. Digitale Plattformen wie Immobiliare.it gewinnen Reichweite, während klassische Makler Druck auf Provisionen spüren – eine Entwicklung, die auch deutsche Anbieter wie Engel & Völkers oder ImmoScout24 kennen.
Für Verbraucher bleibt die Frage, ob strengere Berufsstandards tatsächlich mehr Schutz bieten oder primär den Wettbewerb beschränken. Ein Praktikantenwesen könnte die fachliche Qualität heben, gleichzeitig aber den Marktzugang erschweren und die Angebotsvielfalt reduzieren. In Deutschland wurde die Maklerprovision 2020 durch das Bestellerprinzip beim Kauf neu geregelt – ein vergleichbarer Eingriff, der ebenfalls kontrovers diskutiert wird.
Ob das italienische Ministerium die Reform zeitnah umsetzt, bleibt offen. Die Verbände haben jedenfalls signalisiert, weiter Druck auszuüben. Parallel dazu beobachten Branchenkenner, wie sich ähnliche Lobby-Bestrebungen in Frankreich und Spanien entwickeln. Die europäische Immobilienwirtschaft steht vor der Frage, ob nationale Standesregeln im digitalen Zeitalter noch zeitgemäß sind – oder ob sie in erster Linie Besitzstände sichern.
Für deutsche Wohnungsunternehmen und Verwalter hat die italienische Debatte keine unmittelbare Relevanz. Sie zeigt jedoch exemplarisch, wie Berufsverbände versuchen, durch politische Einflussnahme Marktbedingungen zu gestalten. Ähnliche Mechanismen sind auch bei Themen wie digitaler Direktvermarktung oder der Regulierung von Online-Plattformen im deutschen Kontext zu beobachten.

