Die Mailänder Immobilienagentur Iconacasa Milano Porta Romana informiert potenzielle Käufer und Mieter aktiv über die Qualität von Bauelementen – insbesondere über Fensterrahmen und Türen (italienisch: „infissi"). Das ist mehr als Detailverliebtheit: Es zeigt, wie stark energetische Sanierungsthemen die Vermarktung von Bestandsimmobilien in Italien beeinflussen.
Im Hintergrund stehen zwei regulatorische Treiber. Zum einen die Nachwehen des italienischen Superbonus-Programms, das Eigentümern bis 2023 steuerliche Anreize bis zu 110 Prozent der Sanierungskosten bot. Zum anderen die EU-Gebäuderichtlinie (EPBD), die auch für Italien schrittweise strengere Energiestandards vorschreibt. Makler können sich nicht mehr allein auf Lage und Quadratmeter konzentrieren – der energetische Zustand wird zum Differenzierungsmerkmal.
Die Agentur aus dem Stadtteil Porta Romana richtet ihre Beratung darauf aus. Statt nur Grundrisse zu präsentieren, erklärt sie Interessenten, welche Fenstersysteme verbaut sind, welche U-Werte erreicht werden und ob Fördermittel für nachträgliche Sanierungen genutzt wurden. Dieser Ansatz entspricht dem veränderten Suchverhalten: Käufer und Mieter fragen gezielt nach Energieausweisen und laufenden Betriebskosten – ähnlich wie in Deutschland beim ImmoScout24-Portal längst Standard.
Für deutsche Wohnungsunternehmen, die in Italien tätig sind oder Portfolios bewerten, bedeutet das: Energetische Sanierungen – insbesondere der Austausch von Fenstern und Außentüren – steigern nicht nur die Vermietbarkeit, sondern werden aktiv als Verkaufsargument eingesetzt. Das betrifft auch die Wohnungseigentümergemeinschaft, die über Gemeinschaftsmaßnahmen entscheidet. Verwalter müssen künftig stärker kommunizieren, welche baulichen Verbesserungen realisiert wurden – nicht nur gegenüber Eigentümern, sondern auch gegenüber Maklern und Endkunden.
In Deutschland zeigen Unternehmen wie Vonovia oder LEG Immobilien schon länger, dass energetische Modernisierung Teil des Portfoliomanagements ist. Fenster- und Fassadensanierungen werden in Quartalszahlen ausgewiesen und als Werttreiber kommuniziert. In Italien war diese Praxis bislang weniger verbreitet – das ändert sich jetzt.
Der Fall Iconacasa zeigt zudem, dass lokale Makler als Multiplikatoren für Sanierungsstandards fungieren. Wer Fenster und Türen als Qualitätsmerkmal bewirbt, erhöht indirekt den Druck auf Eigentümer, in Bestandsverbesserung zu investieren. Das könnte mittelfristig auch die Nachfrage nach serieller Sanierung im Mehrfamilienhaus-Segment ankurbeln – ein Trend, der in Nordeuropa bereits etabliert ist.
Fazit: Energetische Bauelemente sind in Italien kein Nischenthema mehr. Sie werden aktiv vermarktet – und beeinflussen Kaufentscheidungen messbar. Verwalter und Eigentümergemeinschaften sollten ihre Kommunikation entsprechend anpassen.
